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21.12.2009  


Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth

uns ist ein Kind geboren

21 Portraits von 21 aussergewöhnlichen Menschen aus der Ausstellung zum Welt-Down-Syndrom-Tag von der Elterninitiative 'Kinder mit Down-Syndrom' in der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth

AUSSERGEWÖHNLICH

"Mitten in Krisen und Verwirrungen, in Not und Tod, staunen wir immer wieder über das neue Leben, das heranwächst. In jedem Kind schaust du uns ja mit hellen Augen an." (Gebet für den Katechetischen Prozess im Bistum Osnabrück)

 

Das "Wunder" besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen die Möglichkeit des Neuanfangs in die Welt kommt. Dass wir in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen dürfen, ist für die Jüdin Hannah Arendt nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: "Uns ist ein Kind geboren."

 

Mit jedem Kind wird eine neue Welt geboren, sagt ein jüdisches Sprichwort. Die Geburt ist der Anfang des Anfangens. Ist sie auch nicht der Anfang unseres Lebens, so wird dieser Anfang im Geborensein doch offenbar. Nackt geboren in eine Welt können wir sprechend und handelnd Initiativen setzen, Anfänger werden und gleich einer zweiten Geburt unser Geborensein bestätigen. Als Hannah Arendt auf der Flucht vor den Nationalsozialisten war, kam ihr diese "zweite Geburt" in den Sinn. Als Vertriebene, ohne Reisepass, als "displaced person", die sie im Niemandsland zwischen dort und da geworden war, erkannte sie, dass ihre nackte Geburt ihr keine Rechte garantiert. Sie war vogelfrei, der "Herrschaft des Niemand" ausgeliefert, wie es die Behörden bezeichneten. Erst die zweite Geburt, der sprechende und handelnde Eintritt in die Welt, stattet uns mit Rechten aus. Das ist eine Erfahrung die Flüchtlinge, Vertriebene und Rechtlose auch heute noch machen. Erst mit dieser zweiten Geburt kommen die Menschenrechte auf die Welt. Sie versprechen fremdes Leid zur Sprache zu bringen und verpflichten das Lebensrecht aller zu garantieren. Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt, heißt es im jüdischen Talmud.

 

Diesem Versprechen, diesem Wunder des Neuanfangs und dieser Kultur der Anerkennung waren wir auch in diesem Jahr wieder in der Begegnung mit unseren außergewöhnlichen Gästen, Freunden und Förderern auf der Spur und bedanken uns für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest

alles Gute und Gottes Segen für das neue Jahr

wünsche ich mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth

 

Michael Strodt


 

 

gottes reich liegt noch im argen

kein stern beschert uns eine stille nacht

gottes reich liegt noch im argen

ist unter uns noch nicht vollbracht

 

RUHAMA


Meditation zur 'Einwohnung Gottes' - aus der Kapelle des Marstalls mit Musik von RUHAMA: Was im Argen liegt (3 MB)

 

 

wenn jemand nicht von neuem geboren wird,

kann er das reich gottes nicht sehen (joh 3,3)

 sind wir überhaupt schon zur welt gekommen?

 

Tiemo Rainer Peters

 

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter:

www.marstall-clemenswerth.de