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Ernesto Cardenal - Ein produktives Ärgernis
Kann Gewalt Frieden stiften? Ernesto Cardenal hat diese Frage positiv beantwortet und bleibt als Christ in einem Dilemma. Das Dilemma wurzelt in der Einheit von Gottesliebe und Nächstenliebe. Gottesliebe kann dem Christen gebieten, die eigene Ohnmacht anzunehmen und Unrecht für sich zu erleiden. Als Nächstenliebe darf sie sich jedoch nicht mit der Ohnmacht und der Unterdrückung der anderen abfinden und Gott mit dem Rücken zu den Leidenden lieben wollen. In der Sprache der Bergpredigt heißt das: es ist dem Christen zugemutet, auch die andere Wange hinzuhalten, wenn ihm auf die rechte geschlagen wird; es ist ihm aber nicht vergönnt, einen andern, dem auf die rechte Wange geschlagen wird, zu ermuntern, auch die linke hinzuhalten. Der Christ ist nicht nur für das verantwortlich, was er tut oder nicht tut, sondern auch für das, was er zulässt, dass es andern geschieht. So bleibt das christliche Dilemma; außerhalb der Liebe ist es nicht zu überwinden und Unschuld nicht zu bewahren - weder durch ein Prinzip unbedingter Gewaltlosigkeit noch durch vermeintliche Neutralität, da derjenige, der nicht handelt, der Stimme sich enthält, mitschuldig wird, an dem was ungetan und unversucht bleibt. Und weil Gewaltlosigkeit auch getarnte Feigheit sein kann, weil sie die Züge des Opportunismus tragen kann, ist das Antlitz der Liebe nicht eindeutig von ihr geprägt. Liebe kann das finstere Antlitz der Gewalt als Ausdruck ihrer Verzweiflung annehmen, so Johann Baptist Metz über Ernesto Cardenal.
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Missbrauch
Jeden Tag gibt es neue Nachrichten über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche. Bei allem Schrecken gibt es dabei aber auch Befreiendes: Immer mehr Betroffene wagen darüber zu sprechen. In dieser Situation den sexuellen Missbrauch zu nutzen, um seine eigenen Themen zu transportieren, sei widerlich und missbrauche die Opfer noch ein zweites Mal, sagt der ehemalige Regensburger Domspatz Franz Wittenbrink bei Maischberger, und provoziert damit die Frage: Warum tut sich unsere Kirche mit unschuldigen Opfern eigentlich immer schwerer, als mit schuldigen Tätern? Von Anfang an zeigt sich in unserer Kirche eine Tendenz, die zutiefst beunruhigende Frage der Bibel nach der Gerechtigkeit für die unschuldig Leidenden umzulenken in die Frage nach der Erlösung der Schuldigen, also in eine Frage, für die wir Christen in der Erlösungstat Jesu Christi die Antwort gefunden haben.
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