|

"Du wirst überleben und erzählen, was mit uns geschehen ist." Diese Worte ihrer Mutter im Konzentrationslager Auschwitz haben Erna de Vries ihr Leben lang begleitet. Sie sind ihr Verpflichtung bei den Lebensbilderabenden im Marstall davon zu erzählen. Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wollen wir des Vergangenen gedenken. Da uns an diesem Abend die Zeitzeugin fehlt, haben wir nach anderen Formen des Gedenkens gesucht und uns für den Film/riss entschieden.
Nach der Ausstrahlung der vierteiligen Fernsehserie "Holocaust" vor fast 30 Jahren hat der Friedensnobelpreisträger und Überlebende von Auschwitz Elie Wiesel "die Trivialisierung des Holocaust" scharf kritisiert und sich deutlich gegen die Darstellung des Undarstellbaren in Spielfilmen ausgesprochen. Als Filmemacher und Autor der beispiellosen Dokumentation "Shoah" hat später Claude Lanzmann im Blick auf die Shoah Foundation von Steven Spielberg gefordert, dass man den so genannten Zeitzeugenberichten eine künstlerische Form geben muss, damit sie nicht zu einer Art "Big Brother der Erinnerung" werden.
Bei der Suche nach einer solchen künstlerischen Form wären wir vermessen zu sagen, wie sie zu funktionieren hat. An Kunst haben wir nur zwei Ansprüche. Sie muss berührend und ehrlich sein. Ein solches Kunstwerk sehen wir in der Tragikomödie "Zug des Lebens". "Über etwas zu lachen ist eine andere Art, darüber zu weinen", sagt der Regisseur Radu Mihaileanu, der lange an der Idee zu einem Film gearbeitet hat, in dem er nicht die Gräueltaten der SS, die Vernichtungslager zeigen wollte, sondern etwas längst Ausgelöschtes, Ausradiertes: Das Leben im Shtetl, jenem Ort jüdischen Lebens in Osteuropa, das es nicht mehr gibt.
Der Traum vom Leben
"Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss mich nicht, mein Sthetele.
Ich stieg einst in die Eisenbahn,
um weit wegzufahren.
Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss den Blick der Menschen nicht.
Denn es hält am Leben mich,
wie wunderbar verrückt sie war’n,
wie wunderbar sie war’n. "
(Lied von Schlomo, dem Narren)
Termin: Sonntag, 27.01.2008, 19.30 Uhr
Ort: Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth, Sögel
Kosten: frei
 |